Nordregion im Karate-Ausnahmezustand

Der Start ins eigentliche Karate-Wettkampfjahr läuft in Deutschland noch immer, optimistisch gesprochen, schleppend an. Ausrichter und Verbände, insbesondere in Deutschland, sind – abgeschreckt von den Auflagen – zurückhaltend in der Ausrichtung von Turnieren und Meisterschaften. Deswegen kam es, dass der Meuselwitzer Karateverein „Sakura“, Landesleistungsstützpunkt im Thüringer Karate Verband, völlig überrannt wurde, als es sich herauskristallisierte, dass dort eine Offene Meisterschaft stattfinden kann.
Und trotzdem lief die Offene Thüringer Karatemeisterschaft, die diesjährig wohl größte Karate-Veranstaltung Deutschlands, – ganz ohne großes Aufsehen und mediales Interesse – geordnet ab, welche in Planung und Durchführung – insbesondere unter den aktuellen Bedingungen – eine Mammutaufgabe und in ihren Dimensionen die bisher größte Karateveranstaltung war, die die „Sakuras“ jemals zu stemmen hatten.
Aufgrund der Corona-Pandemie wollten an dieser Karatemeisterschaft, die in der Meuselwitzer „Schnaudertalhalle“ ausgetragen wurde, mehr Vereine teilnehmen, als bewältigbar waren. 48 deutsche Vereine konnten aus Zeit- und Platzgründen nicht zugelassen, auch Gästen aus dem Ausland konnte keine Meldeerlaubnis erteilt werden. Die letztlich Angereisten warteten natürlich mit hochkarätigen Startern auf, ganze Landeskader und Bundesligateams waren am Start.
Minutiös geplant wurden die Wettkämpfer aufgrund des genehmigten Hygienekonzeptes in Raten in die Sportstätte eingelassen und nach den Starts, gleich nach der Siegerehrung, wieder verabschiedet. Rund 90 Helfer und Kampfrichter sorgten für einen reibungslosen Ablauf, so konnten 744 Starts mit Aktiven aus 41 Vereinen absolviert werden, wobei, neben den vielen thüringer, sächsischen und sachsen-anhaltinischen Vereinen, u. a. Gäste aus Bremerhaven, Forchheim, Berlin, Buchholz, Magdeburg, Beelitz, Verden, Kaiserslautern, Goslar, Göttingen, Naila, Seelze, Reutlingen, Nordhorn, Syke, Milbertshofen, Moers, Bochum, Dagersheim, Fürth, Kassel, Bamberg und Wiesloch empfangen werden. Selbst die Gastronomen und Hoteliers der Umgebung sollten von dieser Veranstaltung spürbar partizipiert haben.
Für die Meuselwitzer Minis gingen Finja Haun und Felix Stalive an den Start. In der Altersklasse U6 belegte die dreijährige Haun als jüngste Teilnehmerin des Tages Platz 2, Stalive durfte sich über Bronze freuen.

Für die Kinder U8 durften auch Emma Richter und Davinia Neugebauer für die Meuselwitzer an den Start. Richter errang 1 x Gold und 3 x Bonze, Wettkampfdebutantin Neugebauer schloss mit 1 x Silber und 1 x Bronze ab.

Die Sakura-Kinder U10 wurden u.a. durch Nele Richter, Ella-Sophia Nebel, Maya Günther, Emma Krischner, Maximilian Haun und Colin Köhler vertreten.
Richter scheiterte in zwei Finals und wurde so jeweils Zweite.
Köhler gewann 1 x Gold, 1 x Silber und 3 x Bronze.
Haun durfte sich 3 x Bronze vom Treppchen holen.
Nebel konnte 1 x Bronze für sich verbuchen.
Das Sakura-Kata-Team U10 männlich mit Fritzsche, Haun, Köhler gewann diesen Ausscheid souverän.
Das Kata-Team U10 weiblich mit Heilmann, Richter, Nebel (Ersatz Kirschner) errang Platz 2.
Fritzsche, Haun und Köhler wurden als Kumite-Team U10 männlich ebenfalls nochmals mit Silber belohnt.
Nebel, Schlegel und Voigt (Ersatz Günther) kämpften sich als Kumite-Team U10 weiblich auf Platz drei.

Hanna Heilmann, Lucas Fritzsche und Alexander Henze verstärkten die Sakura-Auswahl der Altersklasse U12.
Heilmann konnte sich mit 1 x Gold und 2 x Bronze über drei Podestplätze freuen, genauso wie Henze, der 1 x Gold und 2 x Silber gewann.
Fritzsche schaffte es mit einem ersten, zwei zweiten und einem dritten Platz viermal aufs Treppchen.
Das Kumite-Team U12 weiblich (Heilmann, Friedel, Keller) holte sich den 3. Platz.

Derjenige, der den Meuselwitzer Cheftrainer Köhler am meisten überraschte, war Julian Böhm, in der Altersklasse U14. Insbesondere in der Disziplin Kumite arbeitet Böhm zurzeit an der Gestaltung des optimalen Wettkampfverlaufes. Das Erzeugen von und Begegnen auf Drucksituationen nimmt für ihn immer mehr an Bedeutung zu. In seiner Gewichtsklasse überzeugte er durch Großteils effizienten und variantenreichen Wechsel der Situationen. Böhm wurde der erfolgreichste Sakura dieses Wettkampftages. Er gewann 1 x Gold, 1 x Silber und 4 x Bronze.
In derselben Altersklasse startete Bastian Eichner ausschließlich in der Disziplin Kumite. Nur, weil ihm vielleicht noch etwas Erfahrung fehlte, verlor er das Finale in der Gewichtsklasse + 50 kg ausgerechnet gegen Böhm. Aber auch diese Silbermedaille ist ein toller Erfolg.
Böhm, Gombos-Vajna, Friedel (Ersatz Eichner) gewannen den Teamausscheid der Kumite-Teams U14.

Konsequenz in Angriff und Konter waren Sando Worgs Aufgaben in der Disziplin Kumite. Er bewältigte diese teilweise schon ganz gut und sicherte sich so zwei dritte Plätze.

In der Disziplin Kata Ü30 weiblich wurde Susanne Worg erst im Finale gestoppt. Bei diesem Ausscheid hieß es Platz 2 vor heimischer Kulisse.

Last but not least durfte sich Wettkampf-Urgestein Robin Wenzel für die Sakuras „ins Zeug werfen“. Trotz längerer Unterbrechungen im Trainingsaufbau, gestaltete er sein Kämpfe überraschend druckvoll. Am Ende hieß es für ihn: 1. Platz Kumite Ü30 +80kg, 2. Platz Kata Leistungsklasse und 3. Platz Kata Ü30.
Alle Sakuras überzeugten auf dieser Etappe ihres Wegs zu situationsbestimmenden und -intelligenten Wettkämpfern, so das Fazit Köhlers.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.